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12. November 2009 - Carsten Köchel

Schon die Idee klang faszinierend

raeume-traeume01Das Programm eines Kunstmuseums hängt oftmals entscheidend von seiner Sammlung ab, da attraktive Ausstellungen in der Regel durch Tausch mit anderen Sammlungen zustande kommen. Es gibt jedoch auch Ausstellungen, die nachhaltig für Akzeptanz und Begeisterung sorgen können, ohne vom Bestand anderer zu leben – einfach weil sie außergewöhnlich gut erdacht sind. “räume träume” im Kunstmuseum Bochum war eine solches Erlebnis.

Die Ausstellung fand um die Jahreswende 2008/2009 in Bochum unter der Leitung von Dr. Golinski statt und begeisterte ihr Publikum. Ein cross-over-Projekt, in dem genre-übergreifend etwas vollständig neues entstand.

Peter Pabst erfindet seit über dreißig Jahren Bühnenbilder, in denen Pina Bauschs Tanztheater ihre weltweit bekannten Choreographien aufführte. Mit “räume träume” inszenierte er sechs dieser Arbeiten neu und schuf damit autonome und bisher ungesehene oder besser nie vorher erlebte Kunstwerke. In Kombination mit den Fotos, die Guy Delahaye seit 1980 von Pina Bauschs Produktionen machte, wurde das bewegte Tanztheater in Bochum kurzfristig zum Stillstand gebracht. Die Besucher konnten so selber erfahren, dass der Tanz bei Pina Bausch mit einem Gang auf unsicherem Grund beginnt. Denn die Böden bestanden aus Gras, Lehm oder Kunstschnee.

Vielleicht hatte man diese Ausstellung so nicht erwartet. Der Eindruck, hinter die Kulissen schauen zu dürfen, wich schnell der Faszination, nicht länger auf die Inszenierung mit Tänzern warten zu müssen. Jeder wurde plötzlich selber zum Akteur. Wahrscheinlich ist es gerade diese Erfahrung, die viele Besucher nachhaltig mit der Ausstellung verbinden.

Der Film Räume Träume - eine Ausstellung von Peter Pabst zeigt fünf der sechs Szenenbilder, die Peter Pabst in den Räumen des Kunstmuseums neu inszenierte.
Die Szenenbilder sind an Bühnenbilder zu Tanzstücken von Pina Bausch angelehnt: Nelken, Ein Trauerspiel, 1980, Two Cigarettes in the Dark und Tanzabend II. Das Madrid-Stück. Eine detaillierte Beschreibung zu den Räumen hat Fabian Lettow geschrieben.

Eigentlich waren alle Räume auf ihre Art faszinierend. Vor allem aber der Raum “Ein Trauerspiel” hat mich begeistert. Vielleicht lag es daran, dass er ganz hinten lag, fast versteckt. Vielleicht aber auch an meiner Überraschung, als der Museumsmitarbeiter nach einem langen Tag immer noch freudig motivierend sagte “Gehen Sie ruhig drauf”. Ich hatte schlichtweg nicht damit gerecht, dass in einem Museum, das ich mit festem Boden kenne eine raumfüllende schwimmende Insel unter meinen Füssen leicht nacht gibt. Aber vielleicht war es eben auch diese elektrisierende Atmosphäre, die einnehmenden Bildern von Guy Delahaye und die Musik, die den Tod trefflich thematisierte. In jedem Fall war es eine große Freude, in Bochum ein so hochklassiges Museumserlebnis zu genießen.

Es ist also nicht nur die Sammlung, die ein gutes Kunstmuseum ausmacht. Sondern vielmehr der Mut der Ausstellungsmacher, einen neuen Weg zu gehen und die Neugierde der Besucher, sich darauf einzulassen. Die Ausstellung “räume träume” hat deutlich gezeigt, dass Ausstellungsmacher und Besucher ihren Beitrag dazu mit viel Enthusiasmus leisten und wir uns mit recht auf mehr Erfahrungen dieser Art freuen dürfen.

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