Ruhr Essentials
filme blog

21. Juli 2010 - Carsten Köchel

Richard Serra passt ins Ruhrgebiet

terminal1

Wer aufmerksam durchs Ruhrgebiet läuft, stösst immer wieder auf Skulpturen des amerikanischen Künstlers Richard Serra. Gerade “Das Terminal” ist sicherlich ein Werk, das viele noch aus der hitzig geführten Diskussion Ende der 70er Jahre kennen.

Auch heute werden die meisten diese Skulptur nur vom Vorbeifahren kennen. Näher untersucht oder gar betreten haben sie bestimmt die wenigsten – klar, der Geruch ist nicht wirklich toll. Je mehr sie zum Alltagsbild wird, um so weniger ist einem bewusst, dass das “Terminal” Bochum auf die Karte der Weltkunst bringt. Es war das Wahrzeichen der Dokumenta VI (1977) und Serras erstes großes Projekt in Europa.

Wenn wir also von Kulturhauptstadt sprechen, darf dieses Kunstwerk nicht übersehen werden. Es markiert den Anfang des Künstlers Richard Serra, der inzwischen weltweit einer der bedeutendsten lebenden Bildhauer ist. Auf die Frage, ob es eine Kunstdiskussion war, die sich damals entfachte, antwortet Alexander von Berswordt-Wallrabe verneinend. Es sei viel eher eine Politdiskussion gewesen, die mit harten Bandagen ausgefochten wurde.

Alexander von Berswordt-Wallrabe war seinerzeit mit seiner galerie m von Serra begeistert und konnten ihn davon überzeugen, gemeinsam das erste Projekt anzugehen. Es war der Beginn einer langen Freundschaft und Zusammenarbeit, von der Alexander von Berswordt-Wallrabe in seinem Interview erzählt.

Mit dem heutige Abstand hat sich dieser Diskurs sicherlich für alle ausgezahlt. Von dem Wert der Skulptur einmal ganz abgesehen, kann das “Terminal” auch als wichtiger Meilenstein im Kunstverständnis der Region verstanden werden. Aber vor allem Kunstliebhaber haben profitiert – die Dichte an wichtigen Werken des Künstlers im Ruhrgebiet ist schon klasse. Alexander von Berswordt-Wallrabe erinnert sich, wie “Circuit” und “Tod” entstanden und sortiert auch das bekanntere Werk die “Bramme für das Ruhrgebiet” in einen Skulpturenpfad ein.

Die Bramme ist eine der Landmarken der Ruhr 2010. Sie entstand 1997 und Richard Serra kommentierte sie so: “Die Bedeutung der Skulptur erwächst aus ihrem sozialen und geographischen Kontext. Ihre stelenartige Gestalt lässt eine Reihe von Lesarten zu, deren naheliegendste und offensichtlichste in der Skulptur ein Symbol für das Ruhrgebiet und seine Kohle- und Stahlindustrie sehen lässt. Die Skulptur versetzt den Betrachter in die soziale Realität ihres Standortes und verlangt, sich die Geschichte der Region bewusst zu machen.”

Ob Richard Serra ins Ruhrgebiet gehört ist schwer zu beurteilen. Sicher ist auf jeden Fall: er passt hier hin.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Dieses Weblog nutzt Gravatare. Besorgen Sie sich ganz einfach einen eigenen Gravatar.

  • Über ruhr essentials - Alle Artikel ansehen
  • Christuskirche Bochum - Alle Artikel ansehen
  • Kunstmuseum Bochum - Alle Artikel ansehen
  • Situation Kunst - Alle Artikel ansehen
  • Urbanatix - Alle Artikel ansehen
  • Kubus - Alle Artikel ansehen
  • Ruhrtriennale - Alle Artikel ansehen
  • Schauspielhaus Bochum - Alle Artikel ansehen
  • Skulpturenpfad Serra - Alle Artikel ansehen

Archiv

Unterstützt von

  • Lufthansa

RSS-Feeds

Blog