Das Programm eines Kunstmuseums hängt oftmals entscheidend von seiner Sammlung ab, da attraktive Ausstellungen in der Regel durch Tausch mit anderen Sammlungen zustande kommen. Es gibt jedoch auch Ausstellungen, die nachhaltig für Akzeptanz und Begeisterung sorgen können, ohne vom Bestand anderer zu leben – einfach weil sie außergewöhnlich gut erdacht sind.
"räume träume" war eine solches Erlebnis. Die Ausstellung fand um die Jahreswende 2008/2009 im Kunstmuseum Bochum unter der Leitung von Dr. Golinski statt und begeisterte ihr Publikum.
Peter Pabst erfindet seit über dreißig Jahren Bühnenbilder, in denen Pina Pauschs Tanztheater ihre weltweit bekannten Choreographien aufführte. Mit "räume träume" inszenierte er nun sechs dieser Arbeiten neu und schuf damit autonome und bisher ungesehene oder besser nie vorher erlebte Kunstwerke. In Kombination mit den Fotos, die Guy Delahaye seit 1980 von Pina Bauschs Produktionen machte, wurde das bewegte Tanztheater in Bochum kurzfristig zum Stillstand gebracht. Die Besucher konnten so selber erfahren, dass der Tanz bei Pina Bausch mit einem Gang auf unsicherem Grund beginnt. Denn die Böden bestanden aus Gras, Lehm oder Kunstschnee.
Vielleicht hatte man diese Ausstellung so nicht erwarte. Der Eindruck, hinter die Kulissen schauen zu dürfen, wich schnell der Faszination, nicht länger auf die Inszenierung mit Tänzern warten zu müssen – war man doch plötzlich selber der Akteur. Wahrscheinlich ist es gerade diese Überraschung, die viele Besucher nachhaltig mit der Ausstellung verbinden.
Es ist also nicht nur die Sammlung, die ein gutes Kunstmuseum ausmacht. Sondern vielmehr der Mut der Ausstellungsmacher, einen neuen Weg zu gehen und die Neugierde der Besucher, sich darauf einzulassen. Die Ausstellung "räume träume" hat deutlich gezeigt, dass Ausstellungsmacher und Besucher ihren Beitrag dazu mit viel Enthusiasmus leisten und wir uns mit recht auf mehr Erfahrungen dieser Art freuen dürfen.