Mythos, Mythos, Mythos. Jeder und jede, die wir gesprochen haben, ist infiziert, kennt diesen Sog, den das Haus ausübt. Schon die Drehtage hinter den Kulissen kommen einem vor wie aus einer anderen Welt, in sich geschlossen, keineswegs verschlossen doch auf jeden Fall anders.
Die Erwartungen sind groß. Bei allen! Man will anknüpfen an Erfolge, man weiß, wie sich das anfühlt und man kann es beurteilen. Denn alle haben sehr sehr viel gutes Theater gesehen – auch schlechtes. Aber genau deshalb wissen alle, was sie wollen. Das Bochumer Publikum will Nähe, will Neues und auch Unbequemes, will die Welt hier haben. Scheut sich nur vor Langeweile und Beliebigkeit.
Auch hinter der Bühne lodert die Flamme. Sie wollen die Kulissen für großes Theater bauen und es in den Feuilletons besprochen wissen. Nichts ist schlimmer, als keine Kritik. Denn das Schauspielhaus Bochum war und ist für Generationen von Technikern, Schauspielern und Bochumern der Nucleus für ihr souveränes Selbstbewußtsein, da wegweisendes Theater genau dort gemacht wird.
Die Architektur aus den 50er Jahren ist graziel, fast zerbrechlich, nicht pompös. In einer Stadt, die vollkommen zerstört wurde ist sie Klassik pur. Das Schauspielhaus, das derartig in der Stadt verwurzelt ist, gehört allen. Auch denjenigen, die schon lange nicht mehr zu Gast waren. Aber alle werden dabei sein, wenn der neue Intendant seine ersten Premieren spielt und zeigt, welche Richtung das Schauspielhaus diesmal nimmt. Wir freuen uns darauf, Herr Weber.